Implantatprothetik – Verschraubte Rekonstruktionen

Kronen und Brücken können auf Implantaten zementiert oder okklusal/transversal verschraubt (bedingt herausnehmbar) werden. In unserem Labor bieten wir beide Möglichkeiten an und stellen hier als Unterstützung für den Entscheidungsleitfaden in der Praxis beide Verfahren gegenüber.

Häufig wird das Zementieren der Implantatrestauration angewandt. Durch die Möglichkeit, im Labor individuelle Abutments für jede Situation herstellen zu können, ist die zementierte Befestigung in vielen Situationen eine funktionelle und ästhetische Lösung.

Warum verschrauben?

Insbesondere bei weitspannigen Brücken erhöht sich die Komplikationsgefahr. Komplikationen können vor allem bei zementierten Restaurationen problematisch sein. Zwar ist eine Reparatur der Suprakonstruktion möglich (z. B. Verblendfraktur), aber der Aufwand hoch. Hier haben verschraubte Versorgungen einen Vorteil. Das Lösen von den Implantaten ist problemlos möglich. Zudem sind verschraubte Restaurationen hinsichtlich der Mundhygiene als vorteilhaft zu erachten. Auch Zementüberschüsse, die u. a. die Periimplantitisgefahr erhöhen, entfallen durch eine Verschraubung.

Drehmomente Implantat-Aufbauten

Einblick in die Studienlage

Die systematische Auswertung einer Studiengruppe zeigt, dass verschraubte Lösungen eine geringere technische und biologische Komplikationsrate aufweisen [4]. Dies bestätigt eine prospektive Multicenterstudie, welche besagt, dass periimplantäres Weichgewebe besser auf verschraubte als auf zementierte Kronen reagiert [2]. Möglicher Grund ist überschüssiger Zement, der laut einer Studie von Wilson et. al. in mehr als 80 % der Fälle für eine Periimplantitis verantwortlich sein soll [3].

Dementgegen konnten in einer anderen kontrollierten klinischen Studie bei zementierten Suprakonstruktionen ausreichende Retentionsraten und keinerlei biologische Komplikationen beobachtet werden [5]. Sailer et. al. fassen in einer Publikation zusammen, dass keine der beiden Methoden gegenüber der anderen überlegen ist [1]. In einer Studie stellten sie fest, dass bei zementierten Rekonstruktionen vorwiegend biologische Komplikationen (Implantatverlust, Knochenverlust) auftreten [1] und bei verschraubten Rekonstruktionen mehr technische Probleme zu beobachten sind. Die teils kontroversen Aussagen bestätigen eine Tatsache: Letztlich sind es primär eine fundierte Entscheidungsfindung, Expertise und Erfahrung sowie eine sachgerechte Anwendung der neuen technischen Entwicklungen. Die Entscheidung, welche Befestigungsvariante im individuellen Fall optimal ist, kann am besten gemeinsam im Team (Praxis/Labor) getroffen werden.

Fallbeispiel

Ausgangssituation. Frontzahnlücken im Ober- und Unterkiefer sowie massiver Knochendefekt.

Imitation der Gingivabereiche mit spezieller Verblendkeramik

Restauration von palatinal. Die Schraubenkanäle sind „versteckt“, für den Zahnarzt im Mund jedoch gut zugänglich.

Nahansicht der Restauration für den Oberkiefer. Zähne sowie Gingiva wirken in Farbe, Form und Textur natürlich.

Die Restaurationen vor dem Verschrauben im Mund.

Kontrolle der spannungsfreien Passung des Zirkonoxid-Gerüstes im Mund

Keramisch verblendetes Gerüst vor dem Korrekturbrand.

Nach dem Verschrauben können die Kanäle mit einem zahnfarbenen Komposit verschlossen werden.

Unterkieferbrücke in der Nahansicht. Die lebendige Oberflächen Textur der prothetischen Gingiva wirkt sehr natürlich.

Verschraubte Implantatrestauration. Kaum wahrnehmbar ist der Übergang zwischen Keramik und Gingiva.

Individuelle keramische Wechselschichtung für die Restauration im Oberkiefer

Die Zähne und die Gingivabereiche sind mit keramischen Massen nachgebildet.

Die fertigen Implantatrestaurationen auf den Modellen. Die prophetische Gingiva ist in Keramik nachgebildet.

Die zu verschraubenden Implantatbrücken werden sowohl die Zähne als auch ein Teil des Kieferkammes ersetzen.

Einblick in die Studienlage

[1] Sailer I, Mühlemann S, Zwahlen M, Hämmerle CH, Schneider D. Cemented and screw-retained implant reconstructions: a systematic review of the survival and complication rates. Clin Oral Implants Res. 2012 Oct;23 Suppl 6:163-201.

[2] Weber HP, Kim DM, Ng MW, Hwang JW, Fiorellini JP. Peri-implant soft-tissue health surrounding cement- and screw-retained implant restorations: a multi-center, 3-year prospective study. Clin Oral Implants Res 2006;17(4):375-9.

[3] Wilson TG, Jr. The positive relationship between excess cement and peri- implant disease: a prospective clinical endoscopic study. J Periodontol 2009;80(9):1388-92

[4] Wittneben JG, Millen C, Bragger U. Clinical performance of screw- versus cement-retained xed implant- supported reconstructions-a systematic review. Int J Oral Maxillofac Implants 2014;29 Suppl:84-98.

[5] Woelber JP, Ratka-Krueger P, Vach K, Frisch E. Decementation Rates and the Peri-Implant Tissue Status of Implant-Supported Fixed Restorations Retained via Zinc Oxide Cement: A Retrospective 10-23-Year Study.
Clin Implant Dent Relat Res. 2015 Aug 12

2018-11-11T19:42:58+00:0011 November, 2018|Uncategorized|0 Kommentare

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